Was ist eigentlich 
MBSR?

Artikel von Maren Schneider - 03. September 2018


MBSR

Vor gut dreißig Jahren entwickelten in den USA die Professoren Jon Kabat-Zinn und Saki Santorelli mit Kollegen aus dem klinischen Alltag ein achtwöchiges Stressbewältigungs-Programm Mindfulness Based Stress Reduction (abgekürzt MBSR), zu deutsch: Stressbewältigung durch Achtsamkeit, das auf der Schulung von Achtsamkeit, Meditation und Yoga basiert. Dieses Programm wurde als begleitende Maßnahme speziell für Menschen entwickelt, die unter starker Belastung stehen, beispielsweise unter Schmerzen oder chronischen Erkrankungen leiden, sowie für Menschen, die Stress (beruflich und/oder privat) erleben. 
 
Es ist ein systematisches, alltagsbezogenes Training und beinhaltet eine Reihe formaler wie informeller Übungen wie:


• Eine intensive Schulung der eigenen Achtsamkeit, Präsenz und Selbstwahrnehmung Moment für Moment, durch formale Achtsamkeitsübungen wie Body-Scan, Meditation und Yoga sowie durch Übungen und Selbstbeobachtungsübungen im Alltag.
• Die Vermittlung von Stresstheorie, Bewusstwerdung persönlicher Stressmuster sowie
• Anregung, Reflektion und Entwicklung eines heilsamen Umgangs mit Stress/Belastungen.
• Das Erlernen eines konstruktiven Umgangs mit schwierigen Emotionen.
• Anregung und Reflektion zu einem heilsamen und förderlichen Kommunikations-Verhalten.
Entwicklung einer verantwortungsvollen, bewussten, fürsorglichen und gesundheitsfördernden inneren Haltung und Lebensführung
• Anleitung zur Gestaltung der Übungspraxis und deren Integration in den Alltag.


Achtsamkeit hat seinen Ursprung im Buddhismus. Bei MBSR geht es aber nicht um religiöse oder spirituelle Inhalte. Achtsamkeit wird hier vor einem wissenschaftlich begründbaren Hintergrund vermittelt als ein Übungsprogramm, das seine Effektivität nur aufgrund der persönlichen täglichen Übungspraxis entfaltet.
 

Die Übungen

Die Kernübungen oder auch die Werkzeuge des Programms sind die sogenannten formalen Übungen wie Atemmeditation, Achtsamkeits-Yoga und eine Körpermeditation, genannt Body-Scan. Diese Übungen werden ergänzt durch informelle Übungen für den Alltag, wie Selbstbeobachtungsübungen oder achtsam durchzuführende alltägliche Tätigkeiten. Durch diese Kombination trainieren die Teilnehmer ihre geistigen Fähigkeiten, unabgelenkt präsent im Hier und Jetzt zu verweilen, Stressprozesse zu erkennen,  Körpersignale als Stress- und Stimmungsbarometer wahrzunehmen, eingefahrene Autopilot-Reaktionsmuster aufzugeben und schließlich aus einer bewussten inneren Haltung heraus das eigene Leben zu gestalten. Darüber hinaus werden auch ergänzend zur Übungspraxis theoretische Inhalte vermittelt.

Wofür ist die tägliche die Übung gut?

Wenn wir etwas neues Lernen möchten, braucht das regelmäßige Wiederholung. Wenn es um unseren Alltag geht, brauchen wir tägliche Wiederholung, damit wir es auch irgendwann das Neue so verinnerlicht haben, dass wir es als alltäglich empfinden und sich damit dann auch unser Alltag verändert. 
 
Das tägliche formale Training von ca. 1 Stunde auf Deiner Yogamatte und Deinem Meditationskissen lässt Dein Gehirn neue Achtsamkeits-Verknüpfungen bilden, auf die Du auch in Deinen Alltagstätigkeiten zurückgreifen kannst und die es Dir erleichtern, die Achtsamkeit auch bei den alltäglichen Herausforderungen aufrechtzuhalten. Dies kommt dann wieder Deiner Übungspraxis auf dem Kissen oder der Matte zugute, da Du Deine Achtsamkeit durch das „Alltagstraining“ ebenfalls stärkst. So entsteht eine geschmeidige „Gebrauchs-Achtsamkeit“, mit der Du Dich in allen Alltagssituationen vertraut machen kannst und die daraufhin auch in schwierigen Momenten bestens einsatzfähig ist.

MBSR
- hilft mit der Zeit gelassener und bewusster auf Geschehnisse zu reagieren,
- aus Grübeleien und destruktiven Denkprozessen auszusteigen,
- emotionale Aufschaukelungsprozesse zu regulieren und auch
- schwierige Lebenssituationen konstruktiver und mit mehr Akzeptanz zur durchleben.


Achtsamkeit

schafft eine bewusste Haltung dem Leben gegenüber, mit dem was gerade geschieht angemessen umzugehen. Wir lernen eigene leiderzeugende, destruktive Denk- und Verhaltensprozesse/Automatismen zu erkennen und einen bewussten, präsenten und gesunden Umgang mit uns und dem Leben zu finden. 

   

Die Übung in Achtsamkeit hilft

die eigenen psychischen, Stress erzeugenden Prozesse sichtbar zu machen und einen heilsamen Umgang damit zu finden, mit dem Ziel

• körperliche und seelische Balance wieder zu erlangen oder zu verbessern 
• Einen angemessenen Umgang mit Belastungs-Situationen zu finden 
• Erschöpfungs-Symptome und Stressreaktionen zu reduzieren 
• Stresserzeugende Denk- und Verhaltensweisen zu erkennen und zu reduzieren 
• Destruktive Denkprozesse z.B. Grübeln zu erkennen und zu beenden/abzumildern 
• Dramatisierungs- und emotionale Aufschaukelungsprozesse zu unterbinden 
• mehr Bewusstheit, Sammlung und emotionale Stabilität zu erlangen. 


Das MBSR-Training 

ist wesentlich mehr als ein Meditations-Kurs oder Entspannungs-Training. Es zielt darauf ab eine achtsame, bewusste innere Haltung der eigenen Person, dem Körper und dem Leben gegenüber zu entwickeln. Es setzt sich aus formalen Übungen und Übungen im konkreten Alltag zusammen, so dass die Achtsamkeit direkt mit dem Alltagsleben verknüpft und gelebt wird. Darüber hinaus wird die Selbstreflexion und -Erkenntnis stark angeregt.


Es ist ein geistiges Training, 

in dem Du Deine wache Aufmerksamkeit schulst, lernst Dich zu zentrieren und Dich mit Deiner Aufmerksamkeit in der Gegenwart zu halten, weniger in der Zukunft oder der Vergangenheit zu schwelgen, beruhigst innere Drama-Prozesse und lernst Stressreaktionen Deines Körpers zu lesen und als hilfreiche Signale zu erkennen. 

Achtsamkeit kann helfen, eigene Handlungsspielräume zu erkennen und sinnvoll zu nutzen.  Achtsamkeit ist jedoch keine schnelle Entlastung- oder Entspannungssmethode. Sie ist eine geistige Fähigkeit, die sich langsam über Wochen über täglichem Training aufbaut - vergleichbar wie Kondition und Kraft bei einem körperlichen Training. 

Mit wachsender Achtsamkeit wirst Du mehr und mehr Deine eigenen inneren stress/druckerzeugenden Denk- und Handlungsgewohnheiten erkennen und im Rahmen der täglichen Übungspraxis lernen, sie langsam zu verändern. Das ist ein sehr individueller persönlicher Prozess, der bei jedem Menschen etwas anders abläuft. 

Die Übungen des MBSR-Trainings schaffen in Dir mit der Zeit die Fähigkeit zur Selbsterkenntnis, Reflexion, innerer Ruhe und Zentriertheit was Dir dann wieder ermöglicht wesentlich angemessener und zielführender zu handeln.   


Wichtig zu wissen

Das MBSR-Training - so effektiv es ist - ist jedoch kein Akut-/oder Notall-Programm, denn es braucht Zeit und Übung bis es wirkt und es braucht auch eine gewisse psychische Grundstabilität und kognitive Aufnahmefähigkeit der Teilnehmenden, um es zu erlernen. 

Mit wachsender Übung der Teilnehmenden, steht es dann den Übenden auch in akuten Phasen als innere Fähigkeit mit Belastungen umzugehen zur Verfügung. 

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